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Lieferantenmanagement

Die Marken der Zumtobel Gruppe verfolgen den Anspruch, stets höchste Qualität zu liefern. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass die gesamte Wertschöpfungskette nachhaltig aufgebaut ist. Das Unternehmen setzt daher seit geraumer Zeit auf langfristige Partnerschaften mit seinen wichtigen Lieferanten. Nur so können sich diese stetig weiterentwickeln, um die besten Materialien und innovativsten Vorprodukte zur Verfügung zu stellen.

 Bezugsländer der Segmente: So lokal wie möglich

Die wichtigsten Warengruppen im Leuchten- und im Komponentensegment werden in unterschiedlichen Ländern bezogen.

Das Komponentensegment bezieht im Wesentlichen elektronische Bauteile, Stahl und Kupferdraht. Das wichtigste Bezugsland für Elektronikteile ist China, wo sich die wettbewerbsfähigen Lieferanten im Zuge der Globalisierung angesiedelt haben. Stahl wird hingegen für die europäischen Werke in Zentraleuropa eingekauft, für Australien in Singapur. Kupferdraht wird für alle vier Magnetikwerke lokal bezogen.

Die wichtigsten Warengruppen im Einkauf des Leuchtensegments umfassen elektronische Komponenten (z. B. Vorschaltgeräte), Metalle (z. B. Aluminium, Stahl) sowie Kunststoffgranulate. Um schwankende Kundennachfragen so flexibel und schnell wie möglich erfüllen zu können, beziehen die europäischen Leuchtenwerke möglichst lokal (local by local-Strategie). Die wichtigste Bezugsregion für das Leuchtensegment mit insgesamt 87,8% des Einkaufsvolumens sind daher Deutschland, Österreich, Frankreich, Großbritannien, Italien und Schweden, aber auch China. Der Anteil des Einkaufs aus Asien liegt im Kalenderjahr 2009 bei 5,1%. Im Zuge einer Umstrukturierung wird der Einkauf aus Asien für europäische Werke allerdings zurück nach Europa verlegt. Bis Ende April 2010 wurde eine Rückverlagerung von 80% erreicht. Der Prozess soll bis Ende des Geschäftsjahres 2010/11 abgeschlossen sein. Damit werden Materialien und Vorprodukte zum großen Teil aus risikoarmen Ländern im Bezug auf die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards bezogen.

 Ächtung der Korruption und strikte Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen

In der Geschäftstätigkeit der Zumtobel Gruppe und ihrer Segmente wird Korruption nicht geduldet. Entsprechend hat die Zumtobel Gruppe im September 2004 als erstes österreichisches Unternehmen die Richtlinie der Initiative „Partnering Against Corruption“ (PACI) des Weltwirtschaftsforums in Davos unterzeichnet.

Die Bestimmungen von PACI sind in den Verhaltenskodex der Zumtobel Gruppe eingeflossen. Dieser Kodex regelt detailliert, welches Verhalten von allen Mitarbeitern, aber auch von externen Dritten wie Lieferanten in kritischen Bereichen des Geschäftslebens erwartet wird. Neben der Bekämpfung von Korruption ist die Anerkennung der ILO-Kernarbeitsnormen wesentlicher Bestandteil. Diese fordern die Versammlungs- und Kollektivverhandlungsfreiheit und lassen keine Kinder- und Zwangsarbeit in der Geschäftstätigkeit zu. Der Zumtobel Gruppe sind bei keinem ihrer Lieferanten Fälle bekannt, bei denen die ILO-Kernarbeitsnormen missachtet wurden.

Sollte ein Geschäftspartner gegen diese Bestimmungen oder andere Vorgaben der Segmente zu Umwelt- und Sozialstandards verstoßen, wird dieser aufgefordert, dieses Verhalten zu unterlassen. Sollte dies nicht innerhalb angemessener Zeit erfolgen, leitet das Management entsprechende Schritte ein. Dies können rechtliche Maßnahmen oder auch die Beendigung der Geschäftsbeziehung sein.

Als international agierendes Unternehmen berücksichtigt die Zumtobel Gruppe bei ihrer Geschäftstätigkeit und ihren Produktionsaktivitäten selbstverständlich das jeweils geltende nationale Recht.

 Langfristiges und vertrauensvolles Lieferantenmanagement

Beide Segmente organisieren ihren Einkauf gemäß dem „Lead Buyer“-Konzept. Die Bündelung der Beschaffung für einzelne Warengruppen durch spezialisierte, aber dezentrale Einkäufer verbessert die Verhandlungsposition gegenüber oft ebenfalls global agierenden Lieferanten. Zudem wird so ein koordiniertes strategisches Vorgehen in den Warengruppen sichergestellt. Die Vorgaben der Lead Buyer werden von den Einkäufern in den Werken umgesetzt, indem diese aus den von den Lead Buyern verhandelten Verträgen abrufen.

Sowohl das Komponentensegment als auch das Leuchtensegment legen Wert auf ein langfristiges, vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Lieferanten. Besonders ausgeprägt ist dies im Kompentensegment: Mit 60% der insgesamt ca. 300 Lieferanten bestehen die Geschäftsbeziehungen seit über zehn Jahren, mit weiteren 34% seit fünf bis zehn Jahren, mit 6% seit weniger als fünf Jahren. Ein strukturiertes Lieferantenmanagement, u.a. beruhend auf regelmäßigen Kontrollen und Qualifizierungsmaßnahmen, hat seinen Beitrag dazu geleistet. Diese Bemühungen beruhen auf dem sehr hohen Anspruch des Komponentensegments gegenüber seinen Lieferanten: Diese sollen in die Geschäftspartnerschaft ihr Wissen und ihre Innovationskraft einbringen. Entsprechend muss daher ihr Kreativitätspotential den technologischen Anforderungen gerecht werden und eine zusätzliche Wertschöpfung erbringen.

 Systematische Qualitätsprüfung und Auditierung der Lieferanten

Das Komponentensegment hat für das Lieferantenmanagement globale Prozesse für die Freigabe von neuen Lieferanten, für regelmäßige Lieferantenbewertungen, für Audits und Qualifizierungsmaßnahmen definiert, die alle Vorgänge nachvollziehbar dokumentieren. Unregelmäßigkeiten wird so effektiv vorgebeugt.

Vor der Freigabe eines neuen Lieferanten wird von zwei Personen aus unterschiedlichen Bereichen ein dreistufiger Qualifizierungsprozess durchgeführt. In der zweiten Stufe muss der Lieferant u.a. das Vorhandensein eines auditierbaren Umweltmanagementsystems (nicht zwingend ISO 14001) vorweisen sowie den zuvor erhaltenen Verhaltenskodex schriftlich bestätigen. Damit ist auch die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen Bestandteil der Bedingungen für eine Geschäftsbeziehung. Der Verhaltenskodex wurde von den Lieferanten des Komponentensegments, die 86% des Einkaufsvolumens ausmachen, bestätigt. Die anderen Lieferanten konnten eigene angemessene Standards vorweisen. Einen Nachweis dafür, dass die ILO-Kernarbeitsnormen adäquat berücksichtigt werden, wird das Komponentensegment in Zukunft verstärkt einfordern und in seine Standardverträge aufnehmen.

In halbjährlichen Lieferantenbewertungen werden Produktqualität, Termintreue und Service beurteilt. Gleichzeitig werden die Einhaltung des Verhaltenskodex und der fortbestehende Einsatz eines funktionierenden Umweltmanagementsystems abgefragt. Außerdem wurden im November 2008 erstmals auf Grundlage der Lieferantenbewertungen die vier Besten mit dem „Excellent Supplier Award“ ausgezeichnet. Nachdem die Preisverleihung aufgrund der Wirtschaftskrise ein Jahr lang ausgesetzt wurde, findet die nächste Verleihung im Herbst 2010 statt. Der „Excellent Supplier Award“ dient ebenfalls dem Aufbau von Vertrauen und der langfristigen Bindung an herausragende Lieferanten.

Die Kriterien der Lieferantenauditierung sind an die Lieferantenbewertung angelehnt. Eine Auditierung wird durchgeführt, wenn die Bewertungsergebnisse des Lieferanten kritisch sind oder ein neuer Lieferant freigegeben werden soll. Da Lieferanten als Partner gesehen werden, sollen sie sich durch die Auditierung nicht bedroht fühlen. Vielmehr sollen Verbesserungspotentiale herausgearbeitet und entsprechende Maßnahmen abgeleitet werden. Auch hier wird als ein Kriterium das funktionierende Umweltmanagement geprüft. Zehn intern ausgebildete Auditoren führen die Prüfungen durch. Zukünftig sollen auch die ILO-Kernarbeitsnormen verstärkt berücksichtigt werden.
Lieferantenqualifizierung bei Qualitätsproblemen kommen punktuell dann zum Tragen, wenn der Lieferant der Null-Fehler-Philosophie nach Six Sigma nicht ausreichend genügt. Im Schnitt werden im Einkauf des Komponentensegments 25 Lean Six Sigma Projekte im Jahr durchgeführt. Schwerpunkte sind Prozessverbesserungen und damit Kosteneinsparungen. Einige Projekte wurden in Kooperation mit den Lieferanten entwickelt, um diesen den Methodenansatz und die Vorteile von Lean Six Sigma zu vermitteln. Ziel dieser Projekte ist u.a., den Ausschuss in der Produktion schon beim Lieferanten zu reduzieren oder durch erhöhte Flexibilität die Lieferzeiten zu verkürzen bzw. Sonderfahrten zu vermeiden. Ein Projekt im Geschäftsjahr 2008/09 beschäftigte sich beispielsweise mit der Reduktion von Auspackzeiten und damit der vereinfachten Vereinnahmung der Anlieferprodukte gemeinsam mit drei wichtigen Lieferanten des Komponenten-Stammwerks in Dornbirn. Der Aufwand im Wareneingang konnte um ein Drittel gesenkt werden.

Im Leuchtensegment wird seit Anfang 2010 zur Risikoüberprüfung für alle Neulieferanten für Produktionsmaterial und Handelswaren ein Bewertungsprozess eingesetzt, der bis Herbst 2010 in allen Standorten des Leuchtensegments etabliert sein soll. Neben einer Lieferantenselbstauskunft beinhaltet dieser auch ein Audit, wenn sich ein konkretes Geschäft anbahnt. Geprüft werden in diesem Audit die Einhaltung von gesetzlichen Vorschriften wie RoHS, REACH und WEEE sowie Zertifizierungen nach ISO 9001 und ISO 14001. Eine Durchführung des Audits ist Voraussetzung zur Aufnahme eines Lieferanten.