Bilanzergebnis Zumtobel Gruppe 2008/09: Wirtschaftskrise verursacht Geschäftsjahr der zwei Geschwindigkeiten
29.06.2009
- Konzernumsatz sinkt um 8,4% auf 1.174,0 Mio EUR (währungsbereinigt – 5,1%)
- Bereinigtes EBIT erreicht 78,9 Mio EUR (-35,8% / EBIT-Marge bei 6,7%)
- Maßnahmenpaket greift: Fixkosten sinken im 2. Halbjahr um 16,3 Mio EUR
- Energieeffizienz und LED-Technologie bleiben trotz Krise zentrale Wachstumstreiber
- Ausblick: weitere Verschlechterung des Marktumfelds erwartet; Effizienzsteigerungs-programm auf 100 Mio EUR erweitert
Dornbirn / Österreich – Angesichts der internationalen Wirtschaftskrise blickt die Zumtobel Gruppe auf ein Geschäftsjahr der zwei Geschwindigkeiten zurück. Während im ersten Halbjahr 2008/09 der Umsatz währungsbereinigt noch auf dem hohen Vorjahresniveau lag, führte der Konjunktureinbruch in der zweiten Jahreshälfte zu deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgängen. Im Gesamtjahr (1. Mai 2008 bis 30. April 2009) ging der Umsatz des internationalen Lichtkonzerns um 8,4% auf 1.174,0 Mio EUR (Vorjahr: 1.282,3 Mio EUR) zurück. Bereinigt um negative Währungseffekte in Höhe von 43,0 Mio EUR, verursacht vor allem durch das schwache britische Pfund, lag der Konzernumsatz 5,1% unter dem Vorjahreswert. Das um Sondereffekte bereinigte EBIT betrug im Berichtsjahr 78,9 Mio EUR und liegt damit 35,8% unter dem Vorjahreswert von 123,0 Mio EUR. Die um Sondereffekte bereinigte EBIT-Marge erreichte im Jahr 2008/09 6,7% (VJ: 9,6%). Die Sondereffekte in Höhe von 21,9 Mio EUR standen vor allem in Zusammenhang mit den eingeleiteten personellen und strukturellen Anpassungen.
Maßnahmen zur Krisenbewältigung zeigen erste Erfolge
Angesichts der erheblichen Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den baunahen Sektor hat die Zumtobel Gruppe bereits im Herbst 2008 ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Einsparung struktureller Fixkosten von 50 Mio EUR bis zum Jahr 2010/11 gestartet. Dieses Programm wurde im April 2009 durch weitere Maßnahmen zur Anpassung der Produktionskapazitäten an die tatsächliche Umsatzentwicklung – darunter die Schließung eines Leuchtenwerks in Rumänien – erweitert. Neben der Verbesserung der Kosteneffizienz steht vor allem die Sicherung der Liquidität, insbesondere die Optimierung des Cashflows, im Fokus. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte Zumtobel mit einem positiven Free Cashflow von 57,8 Mio EUR trotz des stark rückläufigen Marktes eine zufriedenstellende Entwicklung ausweisen.
"Diese Krise hat in ihrer globalen Ausbreitung, ihrer Intensität und Geschwindigkeit eine für uns nie gekannte Dimension erreicht. Wir haben rechtzeitig gegengesteuert und sehen, dass unsere Maßnahmen greifen. So konnten wir unsere Fixkosten im zweiten Halbjahr im Vergleich zur Vorjahresperiode um 16,3 Mio EUR senken. Es ist unser Ziel, die Zumtobel Gruppe in dieser schwierigen Phase so zu restrukturieren, dass wir deutlich schlanker und flexibler aufgestellt sind, ohne unsere Schlagkraft als Markt- und Technologieführer einzubüßen. Deshalb haben wir auch im vergangen Jahr weiter in unsere Vertriebspräsenz in neuen Märkten investiert und unsere Ausgaben für neue Technologien und innovative Produkt sogar um 15,7% gesteigert", erläutert Andreas Ludwig, CEO der Zumtobel Gruppe.
Anpassung der Personalzahlen
Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen führte die Anpassung der Fixkosten und Kapazitäten im Berichtsjahr zu einem Rückgang der Personalzahlen. Dabei war es das Ziel, den notwendigen Mitarbeiterabbau durch flexible Instrumente wie z.B. Bildungskarenz, Kurzarbeit, Aussetzverträge oder temporäre Arbeitszeitverkürzung zu begrenzen. Die Mitarbeiterzahl (Vollzeitkräfte inklusive Leiharbeiter ohne Lehrlinge) verringerte sich von 7.908 zum Bilanzstichtag 30.04.2008 auf nun 7.165 Vollzeitkräfte (-9,4%). Am stärksten betroffen waren die Bereiche Produktion (-14,7%) und Vertrieb (v.a. Innendienst, -5,1%). Demgegenüber steht ein Zuwachs von 38 Beschäftigten (+9,2%) in Forschung und Entwicklung. Der Mitarbeiterstand im Österreich ging von 2.223 Vollzeitkräften inklusive Leiharbeiter auf nun 2.113 zurück. Die Zahl der Lehrlinge, die v.a. in Österreich und Deutschland ausgebildet werden, wurde mit 133 Auszubildenden gegenüber dem Vorjahr (122) leicht gesteigert.
Alle Segmente und Regionen von globaler Krise betroffen
Betrachtet nach Segmenten war das Leuchtengeschäft (Zumtobel / Thorn) überproportional stark von den Währungseffekten betroffen. Der Umsatz sank im Berichtszeitraum um 8,2% auf 871,4 Mio EUR (VJ 948,9 Mio EUR). Währungsbereinigt ergibt sich ein Minus von 4,8%. Der Umsatz im Komponentengeschäft (TridonicAtco) sank um 8,7% (währungsbereinigt -5,8%) auf 365,8 Mio EUR (VJ 400,4 Mio EUR). Der Umsatz mit LED-basierten Produkten stieg dagegen erneut um 37,0% auf 50,6 Mio EUR (VJ 37,0 Mio EUR). Betrachtet nach Regionen wird deutlich, dass sich mittlerweise alle europäischen Märkte in der Rezession befinden. Der Umsatz in Europa sank um 8,6% auf 952,0 Mio EUR. Der Umsatz in Westeuropa (-10,3%) war durch die Abwertung des britischen Pfundes stark belastet, in Südeuropa (-18,6%) litt vor allem das Komponentengeschäft unter der schon früh eingesetzten Rezession in Italien und Spanien. Im deutschsprachigen Raum war im zweiten Halbjahr ein deutlicher Nachfragerückgang erkennbar, im Gesamtjahr lag der Umsatzrückgang bei 3,4%. Die Wachstumsmärkte waren im Berichtsjahr weniger stark betroffen: in Osteuropa ging der Umsatz um 1,8% leicht zurück, während in Asien noch ein Plus von 1,5% erreicht wurde.
Weiterhin sehr solide Bilanzstruktur
Das Ergebnis vor Steuern sank um 66,7% auf 29,3 Mio EUR. Das Jahresergebnis verringerte sich um Berichtsjahr auf 13,3 Mio EUR (VJ 93,5 Mio EUR). Für die Aktionäre der Zumtobel AG ergibt dies ein Ergebnis je Aktie von 0,53 EUR (VJ 2,09 EUR). Die Bilanzstruktur hat sich im Berichtsjahr nicht wesentlich verändert. Die Eigenkapitalquote sank gegenüber dem 30. April 2008 auf 43,3% (VJ 46,5%).
Aussetzung der Dividende soll Finanzkraft stärken
Vor dem Hintergrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage haben Vorstand und Aussichtsrat der Zumtobel AG beschlossen, der Hauptversammlung am 24. Juli 2009 eine Aussetzung der Dividende vorzuschlagen, da die Stärkung der Finanzkraft in der aktuellen Situation nach Einschätzung beider Organe oberste Priorität hat.
Unternehmensstrategie und Potentiale
Zur Absicherung einer langfristig positiven Unternehmensentwicklung ist es das Ziel, die eingeleiteten Maßnahmen zur Einsparung von Strukturkosten konsequent umzusetzen und die Kapazitäten zeitnah an die zu erwartende Umsatzentwicklung anzupassen. Durch weitere Restrukturierung soll das Unternehmen noch schlanker und flexibler aufgestellt werden, um nach der Krise auf einen nachhaltig profitablen Wachstumskurs zurückzukehren. So bleibt es langfristiges Ziel des Lichtkonzerns, stärker als der Wettbewerb zu wachsen und dabei mittelfristig zweistellige EBIT-Margen zu erreichen.
Die zentralen Treiber für zukünftiges Wachstum bleiben die Themen energieeffiziente Beleuchtung und LED-Technologie. Durch ganzheitliche, intelligent gesteuerte Lichtlösungen können Einsparungen von bis zu 80% des Stromverbrauchs – bei gleichzeitig verbesserter Beleuchtungsqualität – erreicht werden. Neben der intensiven öffentlichen Diskussion um Energieeinsparung in der Beleuchtung wird die Nachfrage vor allem durch weitere gesetzliche Regularien auf EU- und nationaler Ebene gestärkt. Schon heute erreicht die Zumtobel Gruppe im Leuchtengeschäft ca. 70% und im Komponentengeschäft 67% des Umsatzes mit energieeffizienten Produkten. Dank eines enormen Anstiegs der Lichtleistung bei gleichzeitig sinkenden Bezugskosten von LED-Chips gewinnt auch die LED-Technologie in der professionellen Beleuchtung zunehmend an Bedeutung. Technologisch fokussiert sich die Zumtobel Gruppe mit ihren LED-Entwicklungsaktivitäten auf Weißlichtkonvertierung und hocheffiziente LED-Lichtquellen. Durch ihren direkten Vertriebszugang in professionelle Beleuchtungsprojekte verfügt das Unternehmen außerdem über einen strategischen Marktvorteil, um früher und im größeren Ausmaß von der Umstellung auf innovative LED-Technologie in professionellen Anwendungen zu profitieren.
Weiteres Wachstumspotential sieht der Lichtkonzern auch unverändert in der Erschließung ausgewählter neuer Märkte. Der Schwerpunkt liegt dabei auf China, Hongkong, Indien, dem Nahen Osten sowie Ost- und Südosteuropa. Weiteres Potential sieht das Unternehmen zudem im Geschäft mit internationalen Projekten und internationalen Großkunden.
Ausblick: Weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erwartet
Der Vorstand der Zumtobel Gruppe rechnet mit einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Entwicklung in der Bauwirtschaft und geht davon aus, dass aufgrund der spätzyklischen Natur des Geschäfts der konjunkturelle Tiefpunkt für die Lichtindustrie erst 2010 erreicht sein wird. Für das laufende Geschäftsjahr wird aus neuerlichen negativen Währungseffekten eine zusätzliche Belastung für die Umsatz- und Ergebnisentwicklung erwartet. Da derzeit sämtliche Konjunkturprognosen mit großer Unsicherheit behaftet sind, sieht der Vorstand für den kurzfristigen Ausblick eine verlässliche Umsatz- und Ergebnisprognose als nicht möglich an. Es bleibt aber auch im Geschäftsjahr 2009/10 das Ziel, den Free Cashflow auch unter schwierigen konjunkturellen Bedingungen weiterhin auf positivem Niveau zu halten.
Einsparziele verdoppelt
Vor dem Hintergrund der erwarteten Verschlechterung des Marktumfeldes hat der Vorstand das Einsparvolumen des bereits im letzten Geschäftsjahr gestarteten Effizienzsteigerungsprogramms von bisher 50 Mio EUR auf bis zu 100 Mio EUR bis zum Ende des Geschäftsjahres 2010/11 erweitert. Mit Blick auf den Personalstand rechnet der Vorstand mit einem weiteren Personalabbau: "Das konkrete Ausmaß des notwendigen Personalabbaus ist zum heutigen Zeitpunkt nicht absehbar, weil dies abhängig von der tatsächlichen Umsatzentwicklung ist. Es bleibt aber unser Ziel, in enger Abstimmung mit unseren Arbeitnehmervertretern flexible und sozialverträgliche Lösungen zu finden, um in dieser schwierigen Zeit möglichst viele Mitarbeiter an Bord zu halten", so CEO Andreas Ludwig.
Die Kennzahlen im Überblick
1174,0 1282,3 -8,4 78,9 123,0 -35,8 6,7 9,6 57,0 121,9 -53,2 29,3 87,9 -66,7 13,3 93,5 -85,8 0,53 2,09 -74,8
in Mio EUR
2008/09
2007/08
Veränderung in %
Umsatzerlöse
Bereinigtes EBIT
_in % vom Umsatz
EBIT
Ergebnis vor Ertragssteuern
Jahresergebnis
Ergebnis je Aktie (in EUR)
| in Mio EUR | 30. April 2009 | 30. April 2008 |
| Bilanzsumme |
1.053,9 |
1.105,9 |
| Eigenkapital |
456,0 |
514,2 |
| _Eigenkapitalquote in % |
43,3 |
46,5 |
| Nettoverbindlichkeiten |
163,5 |
129,0 |
| Cashflow aus dem operativen Ergebnis |
107,3 |
166,0 |
| Investitionen |
64,7 |
66,0 |
| Mitarbeiter inkl. Leiharbeiter (Vollzeitkräfte) |
7.165 |
7.908 |
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